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Innovation & Change // Führungskräfte gefordert

Innovation & Change // Führungskräfte gefordert

Innovation & Change // Führungskräfte gefordert

Die Gesellschaft befindet sich in einer Umbruchsphase. Die Digitalisierung aller Lebensbereiche schreitet voran und führt vielerorts zur Disruption, d.h. der vollständigen Verdrängung bestehender Strukturen. Auch Krankenhäuser können sich dieser Entwicklung nicht entziehen. Sie sollten sich die Frage stellen, ob sie die Zukunft des Gesundheitswesens Apple, Google & Co überlassen wollen oder ob sie die Transformation aktiv mitgestalten möchten. Dazu braucht es ein Innovations- & Changemanagement, das bereits jetzt Konzepte für zukünftige Herausforderungen entwickelt.

Innovations- & Changemanagement spielt in anbetracht der Vielzahl an Herausforderungen in einem Großteil der Krankenhäuser eine eher untergeordnete Rolle. Selten stehen genug Ressourcen zur Verfügung, um diese Aufgabe mit der nötigen Entschlossenheit anzugehen. Warum dies trotzdem wichtig und notwendig ist, zeigt die Entwicklung in einem der Trendthemen dieser Tage: der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Oft scheinen Krankenhäuser das Gefühl zu haben, dass Dinge wie Videokonferenzen und Big Data noch vor ihnen liegen und erst in den nächsten Jahren Relevanz im Klinikalltag gewinnen werden. Die Folgen der beginnenden Transformation sind aber bereits heute spürbar.

Digitalisierung und Transformation

Die Suche nach Gesundheitsinformationen findet in Deutschland immer häufiger über „Dr. Google“ statt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts haben im vergangenen Jahr zwei von drei Internetnutzern nach Informationen zum Thema „Gesundheit“ gesucht – Tendenz steigend. Dadurch fühlen sich Patienten in der Beurteilung ihres Gesundheitszustands häufig mündiger und selbstbewusster, als noch vor ein paar Jahren. Nicht selten kommen sie dann mit einer eigenen Diagnose in Krankenhäuser und Arztpraxen, fordern mehr Mitspracherecht oder mitunter spezielle Diagnostikverfahren. Die notwendigen Daten bringen manche gleich selbst mit. Über die zunehmende Selbstvermessung mit Fitnesstrackern und anderen Wearables bieten sich neue Möglichkeiten der Diagnostik, die von Ärzten in der Regel allerdings noch nicht genutzt werden. Noch trifft diese Beschreibung nur auf vereinzelte Patienten zu, doch ein Trend lässt sich klar erkennen. Deutlicher spüren Krankenhäuser den Einfluss des Internets (als eine Ausprägung der Digitalisierung) aber an einer anderen Stelle, die eher nebensächlich mit Medizin zu tun hat: Zahlreiche Bewertungsportale nehmen immer größeren Einfluss auf die Entscheidung von Patienten, in welchem Haus sie sich behandeln lassen möchten.

Auf dem Wittener Krankenhausforum 2015 war man sich bereits einig, dass Krankenhäuser auf diese Entwicklung reagieren müssen. Man müsse sich darüber Gedanken machen, was in Bewertungen steht und wie man schlechte Bewertungen vermeiden kann. Bewertungsplattformen könnten wichtige Erkenntnisse generieren, sofern Krankenhäuser selbst ein konkretes und strukturiertes Bewertungsmuster für das Internet entwickeln würden. Hier stellt sich in Zukunft die Frage, welche Qualitätsmerkmale auf Bewertungsportalen herangezogen werden sollten. Zudem hielten es die Teilnehmer im letzten Jahr für sinnvoll, ein Portal als Referenz auszuwählen oder aufzubauen, welches durch die Krankenhäuser als offizielles und verlässliches Portal gekennzeichnet werden kann. Es wird jedoch schwierig, gegen die mittlerweile etablierten Portale anzukommen; hier wurde der richtige Zeitpunkt verpasst. Aus diesem Beispiel lassen sich zwei wichtige Punkte ableiten: Zum einen müssen sich Krankenhäuser im Speziellen mit der digitalen Transformation der Gesellschaft befassen, da sie von den Auswirkungen direkt und indirekt betroffen sind. Zum anderen braucht es im Allgemeinen mehr innovative Ansätze für selbstentwickelte Versorgungsangebote oder Dienstleistungen, um in Zukunft auch zu agieren anstatt immer bloß zu reagieren.

Innovationsfähigkeit braucht eine entsprechende Kultur

Wichtigste Voraussetzung, um Krankenhäuser für die Zukunft zu rüsten, ist, dass Innovation & Change als Führungsaufgaben verstanden werden. Es gilt, die Innovatoren in den eigenen Reihen zu identifizieren und zu fördern. Ein Mittel könnten Mitarbeiterbefragungen sein, die allerdings nicht zum reinen Selbstzweck verkommen dürfen. Ein internes, computergestütztes Vorschlagssystem, bei dem jeder Mitarbeiter Veränderungsvorschläge und gänzlich neue Ideen einbringen kann, könnte ebenfalls von Nutzen sein. Indem andere Mitarbeiter die eingehenden Vorschläge bewerten, lassen sich die relevantesten Ideen herausfiltern. Die Aufgabe der Führungskräfte liegt dann darin, dafür zu sorgen, dass die Konzepte in den Arbeitsalltag integriert werden.

Hier ist eine optimale Zusammenarbeit von kaufmännischer Leitung, Pflegedirektion und Chefärzten erforderlich. Auch wenn diese sehr unterschiedliche Perspektiven einnehmen, verbindet sie die gemeinsame Aufgabe der Entscheidungsfindung. Erfolgreiche Krankenhäuser besitzen ein Führungsteam, welches erkannt hat, dass alle Teammitglieder im selben Boot sitzen. In solchen Häusern herrscht eine Kultur der Zusammenarbeit, die von allen Beteiligten gefördert und gefordert wird. Innovationen lassen sich unter diesen Bedingungen leichter entwickeln und umsetzen. Doch worin liegt der Schlüssel einer erfolgreichen Kooperation?

Einerseits ist es notwendig, dass die einzelnen Parteien zu Kompromissen bereit sind, die zuweilen auch zu Lasten des jeweils eigenen Bereichs gehen können. Das bedeutet andererseits allerdings nicht, dass es keine Konflikte gibt. Eine ausgeprägte Konfliktkultur ist gerade bei kritischen Themen unabdingbar, da erfolgreiche Kooperation in solchen Situationen auf Konfrontation beruht. Diskussionen werden gebraucht, um Innovationsfähig zu sein und dem Stillstand zu entkommen. Gerade im Gesundheitssektor ist es von großer Relevanz, dass die Handlungsfähigkeit der Führungskräfte und damit der ganzen Organisation erhalten bleibt. Das Ziel muss immer sein, eine hohe Akzeptanz für die gefällten Entscheidungen bei allen Mitgliedern der Führungsetage zu erreichen, da jeder einzelne diese Entscheidungen gegenüber seinem Bereich kommunizieren muss. Letzters kann nur glaubhaft geschehen, wenn die jeweilige Führungskraft selbst hinter der Entscheidung steht.

Abseits ausgetretener Pfade

Im Allgemeinen sollten Krankenhäuser sich bewusst machen, dass Innovationsfähigkeit nicht nur bedeutet, modernste Medizintechnik anzuschaffen oder die Digitalisierung voranzutreiben. Es bedeutet vor allem, abseits der bekannten Wege nach neuen Lösungen für bestehende und zukünftige Herausforderungen zu suchen. Nicht nur die medizinischen Kernbereiche sind daher von Interesse, sondern auch vermeintlich vernachlässigbare Bereiche. Ein gutes Beispiel ist die Energieversorgung. Trotz des verhältnismäßig geringen Anteils der Energiekosten an den Gesamtkosten eines Krankenhauses, lohnt es sich, alte und ineffiziente Anlagentechnik für Strom und Wärme zu sanieren. Hier schlummern neben Einsparpotenzialen auch Chancen für das Image des Hauses: Über nachhaltige und klimafreundliche Energieversorgung kann man sich von anderen Häusern absetzen. In unserem Best-Practice-Case zeigen wir, wie das St.-Josefs-Hospital in Hagen von einer Modernisierung der Anlagentechnik profitiert hat.

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